Das Glück ist ein Lakritzbonbon

Wenn man in die Jahre kommt, macht man sich ab und zu Gedanken. Zum Beispiel Gedanken über das Glück. Es müssen nicht viele Gedanken sein. Manchmal reicht so ein kleines Gedankenfitzelchen. So wie heute beim Einkaufen, beziehungsweise danach.

Lakritzbonbon auf Wohnzimmer-Deko. Ich weiß, das ist bescheuert. Aber es macht glücklich.
Lakritzbonbon mit Weingummianteil. Yummy . Das ist Glück. Für mich.

Ich war also einkaufen. Bei Aldi, um mich als Sparfuchs, Nicht-gerne-Einkäuferin und Haterin von Schlangen an der Kasse zu outen. Das nur nebenbei. Abgesehen von allerlei Zutaten, die ich in den kommenden Tagen an meinen Mann verfüttern werde, habe ich Lakritzbonbons gekauft. Normalerweise kaufe ich die mit dem Zucker oben drauf, um den Ungesund-Effekt zu maximieren. Heute habe ich aber die anderen gekauft. Die ohne Zucker oben drauf, nur mit Zucker innen drin. Einfach so. Um mal was anderes auszuprobieren. Ja, und dann war ich durch die Kasse durch, habe die Einkäufe in den Kofferraum geräumt und den Einkaufswagen zurück gebracht. Und dann stand da dieser Mann neben den Einkaufswagen .

Mit intakten Zähnen und einem selbstbewussteren Lächeln hätte er durchaus einer der bildschönen Protagonisten aus meinen Liebesromanen sein können. War er aber nicht. Er hieß nicht Finn oder Dante wie die beiden Schnuckis in „Zwei wie Chili und Schokolade„. Er hatte keinen Food Truck. Er besaß nicht mal einen eigenen Herd mit einer einzigen Kochplatte, denn Mehmet ist obdachlos. Obdachlos, erwerbslos, aber nicht arbeitslos. Der 22-Jährige mit den braunen Augen und dem braunen Strubbelhaar verkauft die Obdachlosenzeitung. 2,40 Euro kostet sie. 49 Cent weniger als die meisten meiner Liebesromane.

Zu dem Zeitpunkt, als ich Mehmet traf, stand er seit 7 Stunden vor Aldi, neben den Einkaufswagen und hielt die Zeitung vor seine Brust.

Das Glück ist ein Lakritzbonbon, hier in Pyramidenform
Lakritz in Pyramidenform. Da kann man sich vorstellen, man wäre in Ägypten oder in Mexiko, wenn man es isst. Dann ist man gleich aus zwei Gründen glücklich.

Abgesehen von meinem Mann war er der Einzige, der mich bis dahin angelächelt hatte. Ich weiß nicht, ob Mehmet ein bisschen geschummelt hat, als er mir sagte, dass auch ich an diesem Tag die Einzige war, die ihn angelächelt und die ihn angesprochen hatte. Ich bin keine Plaudertasche, eher so eine Schreibtasche. Deshalb hatte Mehmet entweder Glück oder Pech, dass ich von ihm wissen wollte, wie lange er da schon so rumsteht und was die Zeitung kostet und was drin steht, wie es in der Redaktion aussieht, ob er eine bestimmte Anzahl verkaufen müsse und ob er auch was geschrieben hätte. Hatte er nicht.

„Ich verkaufe nur“, sagte er. Hunger hatte er keinen. „Auch nicht auf was Süßes?“, habe ich ihn gefragt. Wie ich drauf kam? Weil seine Zähne so schlecht waren, weil ich selbst ständig was Süßes will, weil ich mich mies fühlte, weil es mir so gut geht und ihm nicht. Und weil er mir, obwohl er viel weniger hat als ich, eins von zwei Lächeln des Tages geschenkt hat.

Wir haben zusammen ein paar Lakritze gegessen und ein bisschen gequatscht. Danach bin ich nach Hause gefahren, hab das Auto vor dem Haus mit dem dichten Dach geparkt, die Einkäufe ins Warme gebracht und kühl gestellt, sauberes Wasser aus dem Hahn getrunken und bin eine Runde spazieren gegangen. Unterwegs habe ich das Altpapier in den Container geworfen. Eine Obdachlosenzeitung war nicht dabei, dafür Reklame und Verpackungsmaterial von diversen Paketlieferungen und ein Eierkarton.

Und als ich fast wieder Zuhause war, kramte die unfreundliche Nachbarin vor ihrer Garage herum. Die Frau grüßt uns nie. Ihr Mann übrigens auch nicht. Sie passen immer fein auf, dass wir nicht so parken, dass sie mit ihrem Auto rangieren müssen, wenn sie aus ihrer Garage raus wollen. Wir grüßen die beiden immer, schon um sie zu ärgern. Und heute habe ich sie wieder gegrüßt und gelächelt, was das Zeug hält. Und da hat sie mich hörbar zurückgegrüßt und sogar ein bisschen gelächelt.

Wer was tun will, um Obdachlosen zu helfen oder sich informieren will. In Essen, wo ich lebe, gibt es einige Anlaufstellen. Infos zum Beispiel auf "Essen packt an" .
Oder bei der Obdachlosenhilfe der Stadt Essen:
https://www.essen.de/rathaus/aemter/ordner_50/Obdachlosenhilfe.de.html
Diesen Beitrag teilen

Ab in die Wanne

E-Book Neuerscheinung von Maja Keaton

Ein Leben ohne Dusche und Wanne

Aber mit Waschbecken. Ein Selbstversuch. Letzter Teil.

Des Schicksals mieser Zeitplan der Liebe, Neuerscheinung von Maja Keaton und Julie Fleur
Nach monatelanger Arbeit ist der Roman fertig. Ich bin so glücklich mit dem Buch und hoffe, es gefällt dir genauso gut wie mir. Ich weiß, Eigenlob stinkt. Aber noch mehr … Okay, okay, ich hör ja schon auf 🙂

Es ist vollbracht. Vor wenigen Minuten ist der neue Roman online gegangen. Man kann ihn jetzt auf Amazon kaufen oder ausleihen. Für ein paar Tage, gibt es ihn zum Sonderpreis.  Und wisst ihr was? Ich geh jetzt baden! Nach fast einer Woche waschen am Waschbecken reicht es mir. Heute kommt meine Belohnung.

Euch wünsche ich ein wunderschönes Wochenende – und ganz viel Lesevergnügen mit „Des Schicksals mieser Zeitplan der Liebe.“ 

Hier geht’s zum Roman auf Amazon

Diesen Beitrag teilen

4 Tage, 7 Waschlappen

Ein Leben ohne Dusche und Wanne

Aber mit Waschbecken. Ein Selbstversuch. Teil 4 (von 5).

Teil 1Teil 2Teil 3

An den vergangenen vier Tagen habe ich 7 Waschlappen und 8 mal 3 Liter Wasser verbraucht, um meinen Astralkörper zu reinigen. Da ich nach dem Waldbaden niemals frisch und sauber war (ich muss eben immer was anfassen, und wenn es ein stinkendes Mäusehaus ist), musste ich pro Tag 2 rituelle Ganzkörper-Waschungen am Becken vornehmen.

So sieht das aus … 7 gebrauchte Waschlappen fristen ihr trauriges Dasein auf der ausgeschalteten Heizung. Hübsch, was?

Hier meine Bilanz:

  1. 24 Liter Wasser für Körperpflege sind immer noch etliche Liter mehr, als eine Frau mit demselben Reinlichkeitsbedürfnis wie ich es habe, in einigen Gebieten Afrikas zur Verfügung stehen. Also brauche ich nicht zu jammern.
  2. Aber 24 Liter sind wenig im Vergleich zu dem, was in der westlichen Welt in den Ausguss geht. Mangels verlässlicher Datenlage gebe ich hier mal meinen eigenen geschätzten durchschnittlichen Verbrauch aus der Zeit vor meinem Selbstversuch an: 340 Liter. Was das an Bierkästen ist …
  3. Das Waschen am Waschbecken geht bei mir deutlich schneller als Duschen oder Baden. Ich gewinne also Zeit. Dank einiger Waldspaziergänge gingen die aber dann doch für Entspannungsübungen drauf. Und zum Wald musste ich ja auch irgendwie hinkommen … Au-au-au-to … L Außerdem habe ich an diesen Tagen 1 Liter mehr Wasser getrunken.
  4. Das Waschen am Waschbecken macht gelenkig. Wer sich sonst nicht bewegt, kriegt einen Muskelkater vom Waschhandschuh zum Rücken bringen und vom Füße ins Becken stecken. Ich hoffe, das war jetzt verständlich;) Für eine Hüftprotesen-Trägerin wie mich ist das mit den Füßen ins Waschbecken schon eine kleine Leistung. Aber es geht. Ich wollte sie auch nicht ins Klo stellen.
  5. Man benötigt viele Waschlappen. Einen für’s Gesicht, einen für oben, einen für unten und eventuell noch einen für die Füße. Ich habe das nicht vom ersten Tag an so ganz durchschaut. 😀 Dazu lasse ich mich hier aber nicht aus. Mich hat es auch irritiert.
  6. Meine Haut juckt und schuppt leider immer noch. Vielleicht hab ich ja gar keine Hyper-Austrocknung infolge meiner Badesucht, sondern die Krätze und muss mal zum Arzt. Auf gar keinen Fall hat das Jucken etwas mit Punkt 5 zu tun!
  7. Buch ist fertig. JIPPPEEEEEE.

Mein geliebter Mann ist übrigens auch wieder vom brasilianischen Regenwald-Fußballplatz zurück, auf dem es täglich kräftig von oben schüttete. Ich sage nur: Regenwald-Dusche. Und bin noch nachträglich neidisch.

„Ist diese Wascherei eine Form von Selbstbestrafung?“, fragt er mich, als ich ihm erkläre, wie er ab sofort für seine Reinheit sorgen kann und dabei Unmengen von Wasser und Zeit spart.

Zu so viel liebevoller Ignoranz schweige ich selbstverständlich und trage meine Waschlappen zur Waschmaschine. Denn da gehören sie nach 4 Tagen hin. Macht 65 Liter Wasser im Kochwaschprogramm. Plus Strom. Davon hätte ich zweimal duschen können. Aber ich ja nicht bloß die gelben Waschhandschuhe hineingeworfen, sondern auch noch jede Menge Handtücher. Und ein Paar Stutzen. Versehentlich natürlich. Hat jemand von euch ein 3-jähriges Kind, das Fußball spielt?

Mein Fazit, bevor ich gleich das Badefastenbrechen mache: Ich will mich nicht täglich nach Omas Art reinigen. Aber für jeden zweiten Tag ist das durchaus eine Alternative. Morgens Waschbecken statt Dusche, am Nachmittag dann ein herrliches Denkerbad. Und Duschen nur noch nach dem Sport. Ob ich dann allerdings jemals unter die Dusche komme?

Mit sauberen Grüßen,

Eure Maja Keaton

P.S.: Ihr dürft mir gern in den Kommentaren verraten, wie ihr das handhabt. Bestimmt kann ich von euch lernen.

Diesen Beitrag teilen